Ich bin gerade jetzt nicht glücklich, weil ich meinen Vortrag bis spät abends schreiben sollte. Ihr seid vielleicht glücklicher, weil ihr eure Vorträge einige Tage früher vorbereitet habt und früh ins Bett gegangen seid. Also hängt unser Glück vielleicht von äußeren Umständen ab? 

Epikur hat mal vor langer Zeit gesagt: “Der Tod geht uns nichts an, denn solange wir sind, ist der Tod nicht da, und wenn der Tod da ist, sind wir nicht mehr”. Man kann diese Äußerung auch auf das  Glück übertragen. Es würde also heißen: Wenn wir kein Glück haben, spüren wir klar, dass es uns fehlt und wenn wir glücklich sind, genießen wir es plötzlich gar nicht mehr oder empfinden es als etwas ganz Alltägliches, was uns zusteht. Überprüfen wir das mal.

Zuerst sollten wir ,,Glück” definieren und der Philosoph Aristoteles hat uns schon eine taugliche Definition gegeben. Er meint, dass Glück eine Tätigkeit/ Tugend ist, die der Mensch sein Leben lang, mit Einsetzung von seiner Vernunft, am besten erfüllen kann und für diese geschaffen war. Für Aristoteles ist die “Glückseligkeit” das Ziel des Lebens, da sie absolute Vollendung besitzt. Anders gesagt wollen wir Glück erreichen, um glücklich zu sein und nicht ein anderes Ziel zu erreichen. Da laut ihm Glückseligkeit etwas Göttliches und Ehrwürdiges ist, können es auch nur gute Tätigkeiten sein, also solche, die nach Vollendung streben, die zum Glück führen. Äußere Faktoren sind für ihn auch nicht im Kern des Glücks, sondern nur ein Zusatz, um es erreichen zu können. Also wäre für Aristoteles eine Voraussetzung für Glück sein, wenn alle äußeren Faktoren nicht mehr besser werden können.

Zurück zu meinen Überlegungen. Wir ihr seht, ist dieses Kind super glücklich oder zumindest sollte es so aussehen. Die Kinderschokolade! Die reinste Definition von Glück für ein fünfjähriges Kind. Wenn man einem Kind ein Schokoladenei schenkt, sieht es super glücklich aus. Drei Stunden später hat es das Spielzeug vergessen und sucht schon seine Freude in anderen Tätigkeiten. Also sogar für die Kinder bleibt das Glück, das sie von materiellen Sachen bekommen, nur für eine begrenzte Zeit bestehen. Wenn man aber einem 40-jährigen Mann ein Schokoladenei gibt, wird er wahrscheinlich einfach lachen. 

Dieses Ei könnte aber bei dem Mann Erinnerungen wecken, die ihm Glück bringen. Das heißt, dass wir von der Vergangenheit Glück entnehmen könnten. Aber sind die materiellen Schokoladeneier das Einzige, was uns Glück bringt? Liegt es nur in den materiellen Sachen? Erinnerungen könnten auch durch schöne Momente entstehen, wie z. B., wenn man mit Freunden ins Kino geht. Da aber dieser Moment zeitbegrenzt ist, kann er in der Kategorie von Wohlfühlglück fallen, da er ja nach zwei-drei Stunden vorbei ist und unser Glück, verursacht von diesem Moment, am nächsten Tag schon verschwunden ist (oder sogar früher). Die Erinnerung, die in unserem Kopf bleibt, bleibt für immer dort und wir können dann jeden Tag imaginär zurückgehen und uns glücklich fühlen. 

Jetzt könnte man sich fragen, ob man nur in der Vergangenheit Glück finden könnte. Man könnte auch Glück in das Erhoffen von etwas finden und wenn es passiert, wären wir noch glücklicher. Also könnten wir Glück auch in der Zukunft in einem bestimmten Maß finden. Also sollten wir, um unser Glück zu finden, immer auf etwas hoffen oder uns an etwas erinnern? Tatsächlich “ja” und in derselben Zeit “nein”. Aristoteles meinte, dass die Betrachtung die kontinuierlichste aller Tätigkeiten ist, “…,da wir eher kontinuierlich betrachten können als irgendeine andere Handlung zu verrichten”. Er meint damit, dass das Denken für den Menschen so eine Tätigkeit ist. Das bedeutet dann, dass wenn wir unseren Verstand benutzen, um uns an etwas Schönes zu erinnern oder uns etwas Gutes zu erhoffen, wir tatsächlich Glück erreichen können. Da wir aber auch Tätigkeiten ausüben sollten, für die wir geschaffen sind, ergänzen sich die beiden Prozesse, da wir durch unsere Tätigkeiten auch positive Erinnerungen schaffen und daher noch glücklicher werden. 

Wenn wir also jetzt Glück haben, werden wir es im Laufe der Zeit weniger genießen? Wenn wir Glückseligkeit und Glück als die höchsten Güter betrachten und der Mensch nach dem Höchsten immer strebt, könnte er nicht unglücklich werden, wenn er diese findet. Da auch die Tätigkeit, die wir ausüben das “Beste und Vollkommenste” für uns ist, werden wir absolute Vollendung in unser Leben erreichen. Also haben wir überprüft, dass wenn wir kein Glück haben, wir klar spüren, dass es uns fehlt, aber wenn wir glücklich nach der Definition Aristoteles sind, können wir nicht plötzlich unglücklich werden und es nicht genießen. 

Bogdan Shinikov, 12b


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