Die Mode ist ein sich ständig wechselndes Organismus, wo das Motto ,,alles alt und vergessen, ist das Moderne von heute’’ es besser beschreibt als jegliche Definitionen im Duden. Die Veränderungen in der Mode sind schwer zu nachvollziehen und verstehen. Sie werden oft von der Musik beeinflusst. Diese wird von der politischen Situation im bestimmten Land beeinflusst, sowie was in den anderen Ländern als chic (Modebegriff (schick)) wahrgenommen wird. Jedoch gibt es auch verschiedene Gruppen, die polare Gegensätze von anderen Gruppen sind. High-fashion Models oder kinderwhore Teenagern (kinderwhore – Jeans von den 70er in Amerika oder diese in England), die Mode ist so vielfältig, dass man sein ganzes Leben damit verbringen kann, nur ein Aspekt davon zu untersuchen. 

Der Einfluss des Sexismus in der Mode, jedoch, ist in allen diesen Sphären verbreitet. Dies ist aber keine innovative Aussage, da die Konsequenzen des Sexismus vielfältig und überall zu finden sind. Obwohl sie in manchen Bereichen subtil sind, kommen sie nach wenig Untersuchung oft zum vorschein. Aber wie kann die Modeindustrie vom Sexismus beeinflusst sein, wenn die Frau in der Mode im Mittelpunkt steht? Und inwiefern hat dieser Sexismus zu den heutigen Geschlechtsnormen in der Mode beigetragen?

Obwohl es schon im 19. Jahrhundert vorherrschend Designer gab, die sich fast exklusiv mit Frauenmode beschäftigt haben, hat die Mode seit diesem Zeitpunkt viele Änderungen durchlaufen. Ein relevantes Beispiel wäre Christian Dior, der mit seinem sogenannten ‘’New Look’’ die Mode für immer veränderte. Nach dem Zweiten Weltkrieg, wo alle simple, lockere und ungefähr gleich aussehende Kleidung trugen (wegen den Mangel an Materialien), waren seine engen Kleider attraktiv und innovativ. Während des Krieges trugen Frauen von allen Klassen Klamotten, die sich wenig vom Einkommen der Familie unterschieden ließen. Dank Dior’s Kleidung konnten sich reiche Frauen, die nicht arbeiten mussten, von den Ärmeren unterscheiden. Weiter mussten viele Frauen arbeiten und deshalb Hosen und Hemder tragen, da diese viel praktischer waren als die formschlüssige Kleidung der Vorkriegszeit.  

Nach dem Krieg führte Christian Dior seinen ,,New Look’’ in Paris 1947 ein. Die Merkmale dieses Looks waren die eingeklemmte Taille, die breiten (aber nicht zu breiten) Hüften und der Linien Rock. Somit entwurf Dior die ideale weibliche Silhouette. Man kann dies jedoch nicht als der Anfang der männlichen Kontrolle über der Damenbekleidung bezeichnen, eher der Beginn der Kontrolle im Kontext der modernen Modeindustrie. 

Seitdem haben sich, wie es in der Mode üblich ist, viele Dinge verändert. Die ideale Silhouette wird jedes Jahrzehnt neu bestimmt, wobei sie oft die gleichen Kriterien einhält: ein rundum schlanker Look, deren Fokus die schlanke Taille ist. Dinge wie Hintern oder Brustgröße, Höhe oder Schulterbreite fluktuieren ständig. Anschließend passt sich die Frauenmode an, die darauf abzielt, die ,,gewünschten’’ Funktionen hervorzuheben und die unerwünschten zu verbergen.

Mit dem ,,New Look“ von Dior entstand aber etwas anderes. Die Unterscheidung zwischen der oberen Klasse und die Arbeiterklasse wurde einfacher als während des Krieges, da Frauen aus der Oberschicht es sich leisten konnten nicht zu arbeiten und daher die unpraktische, unbequeme Kleidung zu tragen. Zudem bedeutete es auch eine ,,Heimkehr’’ der Frau, die nicht mehr zur Arbeit gehen musste, und sich jetzt um das Zuhause und die Kinder kümmern konnte, anstatt die ,,Männerarbeit’’ zu leisten. Denn davor mussten viele Frauen die Positionen im Arbeitsmarkt aufnehmen, die von den männlichen Arbeitern leer gelassen wurden als sie im Krieg zogen. 

Im Laufe der Jahrzehnte veränderte sich die Mode ständig weiter. Es wurden immer mehr Gegenstände, Muster und Texturen mit Frauen und Weiblichkeit verbunden. Es war nicht mehr nur die Betonung des weiblichen Körpers (und damit die Kreation dieser ,,perfekten’’ Silhouette), sondern Blumendruck, Handtaschen, Schuhe mit hohem Absatz, Pailletten, Diamanten, leuchtende Farben, Pastellfarben, Tierdruck und so ziemlich alles, was nicht als neutral angesehen wurde. 

Daraus entstand ein interessantes Phänomen, das unsere Gesellschaft immer noch plagt. Nämlich, dass Frauen immer wieder aktiv gesagt wird, wie sie sich anziehen sollen, um weiblich auszusehen. Röcke, Kleider, Schminke, High-Heels, Schmuck und im Allgemeinen enge Kleidung. Das Ziel davon ist die Geschlechter auf den ersten Blick differenzieren zu können. 

Währenddessen scheinen Männer die Freiheit zu haben so gut wie alles auf dem Markt tragen zu können. In einem sehr oberflächlichen Blick kreiert die Industrie, die behauptet, die Frau im Mittelpunkt zu haben, aber wirklich nur Kleidung für Männer und sagt dann den Frauen, welche von denen sie tragen dürfen. Bei näherer Betrachtung sieht man jedoch, dass dies nicht genau der Fall ist. Es ist wahr, dass Frauen gesagt wird, was sie anziehen sollen, um weiblicher zu wirken, aber genau von diesen Dingen, die weiblich machen, sind Männer streng dazu aufgefordert sich fernzuhalten. 

Das ist an sich sexistisch genug. Bei Untersuchung der Wurzeln stellen wir jedoch fest, dass das Problem viel tiefer liegt als auf den ersten Blick zu sehen ist. Dies ist keine einfache Frage von Hosen und Röcken. Hier steht die Hose für den Mann und der Rock für die Frau. Wenn man Männern sagt, dass Röcke nicht getragen werden dürfen, ist immer der Untertext präsent, dass man beim Tragen von Hosen überlegen ist. Im Laufe der Geschichte haben Frauen mehrmals beschlossen Männerkleidung als Symbol der Macht zu tragen. Ob dies nun im Zusammenhang mit Rebellion gegen den sie regierenden sexistischen Ideale stand, erzeugte es immer das Gefühl, dass die Kleidung von Männer mehr Macht hat als die der Frauen. Beim Ablegen ihrer Röcke und beim Anziehen von Hosen wollten Frauen Männern gleichgestellt sein (normalerweise im Arbeitsfeld). Und natürlich folgt daraus die Unwilligkeit ‘’weibliche’’ Kleidung zu tragen, weil dies implizit minderwertig ist. Die Sexualisierung von Frauen trägt auch zum Problem bei, da Frauen oft in Akademischen- und Arbeitssphären dazu aufgefordert werden, maskuline Kleidung zu tragen, um diese Sexualisierung- und damit das nicht-ernst-genommen-werden- zu vermeiden. 

Wenn die ganze Gesellschaft die weibliche oder feminine Kleidung als minderwertig wahrnimmt, zögert man diese Kleidung zu tragen. Dies gilt insbesondere für Männer, die äußerst vorsichtig sein müssen, nicht außergewöhnlich weiblich auszusehen. Unschuldige Dinge wie Blumenmuster, helle Farben sowie Schals oder enge Hosen werden als feminin empfunden, weshalb Männer die diese tragen als minderwertig wahrgenommen werden. 

Wenn man einen Moment innehält, um nachzudenken, wird die Lächerlichkeit, Dinge wie Federn oder Nagellack einem Geschlecht zuzuordnen, deutlich. Es gibt keinen wirklichen Grund für diese Dinge, es gibt nichts, was die Kluft, die wir in unserer Gesellschaft geschaffen haben, wissenschaftlich belegen könnte. Warum haben wir beschlossen, dass es weiblich ist, seinen Körper in enger Kleidung zu zeigen, aber nicht männlich dasselbe zu tun? Es sind die Körper, in denen wir geboren sind, die bestimmen welche Kleidung wir tragen dürfen. Sie werden von Designern als Leinwände verwendet, an denen Modedesigner allerlei Kunstwerke erschaffen. Es scheint, als ob der Körper das Zentrum der Mode ist, um den sich alles herum wie Satelliten dreht. Warum dürfen dann Männer keine eng anliegenden Kleider tragen? Warum verbietet man Männer, bestimmte Dinge auf bestimmte Weise zu tragen, um ihre Männlichkeit zu betonen, wenn es wirklich nichts Männlicheres gibt als den Körper eines Mannes? Diese Regeln, die wir geschaffen haben, brechen in sich zusammen, sobald man anfängt zu hinterfragen, aber wir als Gesellschaft haben so gut wie nichts getan, um diese Mängel zu korrigieren.

Es ist der Sexismus, der alles Weibliche als unerwünscht darstellt und den Männern die Gelegenheit nicht gibt, weiblich zu sein. Und das ist extrem problematisch, nicht nur weil es die Selbstdarstellung von vielen Jungen und Männern dämpft, aber weil es eine noch größere Kluft zwischen Männern und Frauen schuft. Tatsache ist, es gibt nichts, das von Natur aus weiblich oder männlich an Klamotten sein kann. Es gibt nichts, dass Frauen mit Spitzenbesatz oder Glitzer verbindet. Diese Ideen sind von uns erstellt worden und werden von uns weiter erhalten, weil niemand daran zweifelt, dass diese Ideen richtig sind. Das sind sie jedoch nicht. Mit deren Instandhaltung leiden wir alle.

Hana Kanter, 12b


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